Placemaking through physical and social complementation

Liza Konzelmann, Hannah Stolp und Maik Stricker
(SI-IUSD / Prof. Ley)

Wie kann durch die Verknüpfung von physischen und sozialen Maßnahmen nachhaltige Aufwertungsprozesse in informellen Siedlungen angestoßen werden. Ausgangspunkt war das Untersuchungsgebiet Monwabisi Park in Kapstadt, Süd Afrika, in welchem mithilfe von Fokusgruppen, Interviews, Transect Walks und Reflexionen die alltäglichen Lebensrealitäten der Bewohnerinnen und Bewohner analysiert wurden.

Die Auswertung der erhobenen Stimmen verdeutlichte die Vielschichtigkeit der Herausforderungen: berichtet wurde von Unsicherheit im öffentlichen Raum, insbesondere bei Dunkelheit, von mangelnder Hygiene, fehlenden Spielräumen für Kinder sowie von unzureichenden Betreuungsangeboten. Besonders häufig standen die Toilettenanlagen im Mittelpunkt der Kritik. Sie wurden als unsauber, unsicher und teilweise unbenutzbar beschrieben. Für Frauen und Kinder stellten sie eine erhebliche Belastung dar. Vor diesem Hintergrund konzentrierte sich der Entwurf auf die Transformation dieser sanitären Einrichtungen.


Der Entwurf verfolgte das Ziel, Toiletten nicht nur als technische Infrastruktur, sondern als zentrale Räume des Alltags zu begreifen. Sanitäre Anlagen wurden dabei als Ausgangspunkte für ganzheitliche Entwicklungsprozesse verstanden, die Sicherheit, Hygiene, Begegnung und soziale Interaktion gleichermaßen fördern können. Grundlage war ein mehrstufiges Modell, das zwischen Mikro- (Haushalt), Meso- (Nachbarschaft) und Makroebene (Gemeinschaft) unterscheidet.

Auf dieser Basis definierte der Entwurf konkrete Handlungsfelder. Physische Maßnahmen umfassten die Sanierung der baulichen Struktur, die Installation von Beleuchtung, die Schaffung separater Bereiche, eine verbesserte Hygiene sowie ergänzende Elemente wie Sitzmöglichkeiten und Bepflanzungen zur Beschattung. Diese physischen Eingriffe wurden durch soziale Maßnahmen ergänzt, etwa Hygieneschulungen, Sensibilisierungskampagnen zu Sicherheit und Gesundheit sowie die Bildung von Nutzerkomitees. Ziel war es, die Toilettenanlagen nicht nur funktional aufzuwerten, sondern sie in das soziale Gefüge des Viertels einzubetten.

Als inhaltliche Referenz diente das Konzept der Emthonjenis, das zeigt, wie ursprünglich funktionale Wasserstellen durch soziale Praktiken zu multifunktionalen Orten werden können. Der Entwurf übertrug diesen Ansatz auf die sanitären Anlagen und entwickelte Visionen, wie sie zu lebendigen Plätzen transformiert werden können, die neben hygienischer Grundversorgung auch soziale Teilhabe, Sicherheit und Bildung ermöglichen.

Einen weiteren Bezugspunkt bildete die VPUU-Strategie (Violence Prevention through Urban Upgrading). Die darin hervorgehobenen Schritte – Bedarfe identifizieren, Stakeholder einbinden und Co-Creation ermöglichen – strukturieren auch den hier vorgestellten Prozess. Der Entwurf legte daher großen Wert auf Partizipation und Co-Creation, um nachhaltige Strukturen aufzubauen, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und langfristige Mitgestaltung zu fördern. Ein zentrales Element war das Prinzip der gegenseitigen Beeinflussung (mutual influence). So wurde vorgeschlagen, kleine home-based enterprises in unmittelbarer Nähe der Toilettenanlagen anzusiedeln. Dies schafft eine doppelte Wirkung: Zum einen erhöht sich die Sicherheit durch die soziale Kontrolle, zum anderen eröffnen sich wirtschaftliche Perspektiven für lokale Händlerinnen und Händler. Die Straße wird so zu einer sozio-ökonomischen Achse (economic spine), die Hygiene, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität miteinander verbindet.

Die entworfenen Szenarien wurden in eine zeitlich gestufte Strategie eingebettet. Kurzfristig wurden Maßnahmen wie die Reparatur defekter Anlagen und die Bereitstellung grundlegender Hygienematerialien vorgesehen. Mittelfristig stand die bauliche Aufwertung durch Beleuchtung, Pflanzungen und klare Wegeführungen im Fokus. Langfristig zielte der Entwurf auf die Etablierung von Co-Management-Strukturen, Bildungsprogrammen und ökonomischen Verknüpfungen ab, die eine nachhaltige Entwicklung sicherstellen sollen. Dabei wurde ein Modell geteilter Verantwortung vorgeschlagen, in dem Haushalte, lokale Unternehmerinnen und Unternehmer, die Stadtverwaltung sowie externe Partner unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

Zusammenfassend verdeutlicht der Entwurf, dass Toilettenanlagen in informellen Siedlungen weit mehr als reine Funktionsbauten darstellen. Sie sind Knotenpunkte, an denen Fragen von Hygiene, Sicherheit, Bildung, sozialem Zusammenhalt und wirtschaftlicher Teilhabe zusammentreffen. Werden sie in einem partizipativen Prozess physisch und sozial zugleich aufgewertet, können sie sich von Problemorten zu lebendigen Gemeinschaftsräumen entwickeln. Damit zeigt der Entwurf exemplarisch, wie durch die enge Verknüpfung von Infrastruktur und sozialem Leben neue Perspektiven für nachhaltige und inklusive Stadtentwicklung entstehen.

Betreuer*innen: Dr. Ing. Sigrid Busch, Dr. Shaharin Annisa

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