Garten- Land und Schweizerhaus.
Alpines Kleinod auf der Reinsburg/Karlshöhe in Stuttgart.

Simon Otto Volk
(IFAG / Prof. Weber)

Das Schweizerhaus auf der Reinsburg ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel eines bürgerlichen Garten- und Landhauses der 1850er-Jahre in Stuttgart. Inmitten der heutigen, dicht bebauten Stadt stellt es ein seltenes Zeugnis dar, in dem sich sowohl die bauzeitliche Architektur als auch wesentliche Teile der ursprünglichen Gartenanlage überliefert haben. Damit besitzt das Bauwerk einen hohen denkmalpflegerischen und architekturhistorischen Quellenwert.

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, das bislang kaum erforschte Bauwerk erstmals systematisch zu dokumentieren, baugeschichtlich einzuordnen und in seiner ursprünglichen Gestalt zu rekonstruieren. Archivalische Quellen legen nahe, dass der Bauherr Carl Hoffmann (1802–1883), Verleger in Stuttgart, den am hiesigen Polytechnikum tätigen und an der Berliner Bauakademie ausgebildeten Architekten Gustav Adolph Breymann (1807–1859) mit der Planung beauftragte. Damit lässt sich das Schweizerhaus sowohl in die Architekturentwicklung Stuttgarts des 19. Jahrhunderts als auch in überregionale Traditionslinien einordnen, die bis zur Berliner Bauakademie und dem dort von K. F. Schinkel (1781–1841) geprägten Schweizerhaus-Typ zurückreichen.

Das Bauwerk wurde in einem verformungsgerechten Aufmaß mittels 3D-Laserscanning (Leica BLK 360, 1. Generation) erfasst und durch detailanalytische Untersuchungen zur Farb- und Ausstattungsgeschichte ergänzt, wobei der Schwerpunkt auf den bauzeitlichen Zuständen lag.

Das Schweizerhaus auf der Reinsburg ist das wohl am besten überlieferte Beispiel eines bürgerlichen Garten- und Landhauses seiner Zeit in Stuttgart. Vor diesem Hintergrund sollte angestrebt werden, das bauzeitliche Erscheinungsbild überall dort wiederherzustellen, wo es zuverlässig nachweisbar ist.
Das Bauwerk soll von später hinzugefügten Anbauten wie Schuppen und Kamin befreit werden, da diese das Erscheinungsbild erheblich stören. Besonders der Kamin verstellt den ursprünglichen Haupteingang. Der Abbruch des südlichen Schuppens wird spätestens dann notwendig, wenn die Wandkonstruktion untersucht und beschädigte Partien ausgetauscht werden müssen. Da für das große Grundstück weiterhin ein Bedarf an Schuppen- und Lagerflächen besteht, sollte diese auf der südlichen, nicht bauzeitlichen Fläche entstehen. Eine zurückhaltende Gestaltung – beispielsweise in Form schlichter Kuben, die von Rankgerüsten und Sträuchern umgeben werden – würde die Anlage unauffällig in das Gesamtbild einbinden.

Die ergänzenden Kuben (insgesamt ca. 30 m² Grundfläche) könnten die notwendige Infrastruktur wie WCs und Lagerflächen aufnehmen und damit die Nutzung des Geländes für kleinere Veranstaltungen ermöglichen. Inhaltlich böte sich eine Anknüpfung an die Profession des Erbauers sowie an Stuttgarts Tradition als Verlagsstadt an. Kooperationen mit dem Literaturhaus Stuttgart, mit Bildungseinrichtungen oder Verlagen wären denkbar, um den besonderen Ort für Lesungen, Schreibworkshops oder offene Tage im Sinne eines „Hoffmanns Kultur- und Lesegartens“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Gartensaal könnte hierbei einbezogen werden, während im Obergeschoss eine kleine museale Einrichtung entstehen könnte, die die Raumwirkung ungestört belässt. Das bestehende Pächtermodell sollte fortgeführt werden, da es eine kontinuierliche Nutzung und Betreuung der Anlage gewährleistet.

Prof. Dr. Klaus Jan Philipp | Prof. Dr.-Ing Christiane Weber

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