18. Juli 2021 / Lale Ortak

Universität Stuttgart übernimmt erstmals Bauherreneigenschaft

Als landesweit erste Hochschule tritt die Universität Stuttgart als Bauherrin auf. Entstehen soll der Forschungsneubau LCRL, ein Labor für Großraumrobotik in der Baufertigung für das Exzellenzcluster IntCDC.

Das erste Gebäude, für das die Universität die Bauherreneigenschaft übernimmt, ist etwas ganz Besonderes. Der Forschungsneubau LCRL (Large-Scale Construction Robotics Laboratory) für das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Exzellenzcluster „Integratives computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur“ stellt erstens selbst ein zentrales Forschungsprojekt und Demonstrator dar. Zweitens soll mit dem Neubau ein Ort geschaffen werden, der die Forschungsinfrastruktur des Exzellenzclusters beherbergt und die interdisziplinären Forscher*innen, die aus sieben Fakultäten der Universität stammen, räumlich und wissenschaftlich zusammenführt.

Gerade für dieses Bauvorhaben, bei dem es komplexe Anforderungen des Exzellenzclusters als Nutzer einzubeziehen gilt, ergeben sich durch die Übernahme der Bauherreneigenschaft viele Vorteile. Üblicherweise sind bei Bauvorhaben zahlreiche Abstimmungen mit dem Wissenschafts- und dem Finanzministerium vertreten durch die Staatliche Vermögens- und Hochbauverwaltung bzw. dem Universitätsbauamt (UBA) notwendig. Diese entfallen nun, weil deren Aufgaben für dieses Bauvorhaben der Universität übertragen wurden.

 
Vision des geplanten Forschungsneubaus.
 
 

Wir erhoffen uns, gemeinsam mit dem Land mehr Planungs-und Baukapazität bei derartigen Bauvorhaben an den Start zu bringen und möchten damit als agile Verwaltung einen wichtigen Beitrag zu dem Erfolg der Spitzenforschung leisten.

Kanzler Jan Gerken

„Wir betreiben damit ein Pilotprojekt. Unsere Erkenntnisse dienen dem Land Baden-Württemberg als Modell für weitere Übertragungen an die Universität Stuttgart oder andere Hochschulen und Landeseinrichtungen. Darüber sind wir sehr stolz“, erklärt Kanzler Jan Gerken. „Gemeinsam mit dem Land erhoffen wir uns mehr Planungs-und Baukapazität bei derartigen Bauvorhaben an den Start zu bringen und möchten damit als agile Verwaltung  einen wichtigen Beitrag zu dem Erfolg der Spitzenforschung leisten“, so Gerken. Die Projekt- und Haushaltsverantwortung gehen uneingeschränkt in die Zuständigkeit der Universität über. „Um diese Herausforderung stemmen zu können haben wir die Stabsstelle Bauherreneigenschaft und Project Management Office eingerichtet und mit der Fachabteilung Bauherreneigenschaft neue Strukturen im D6 Technik und Bauten geschaffen.“

Die beiden Teams der neuen Stabsstelle und der Fachabteilung D6 zusammen mit Kanzler Jan Gerken (v.l.n.r. Susanne Rihm, Hristina Dakov, Tamara Gramatte, Lachezar Hristov, Evelyn Moosmann, Jan Gerken, Fabian Pfeifer).

Vier-Augen-Prinzip muss gewahrt sein

Bedingung für die Übernahme der Bauherreneigenschaft ist unter anderem, dass die im Rahmen des Bauprojektes anfallenden Prüfungstätigkeiten von einer von der übrigen Bauverwaltung der Universität (D6) unabhängigen Organisationseinheit mit geeigneter Fachkompetenz übernommen werden. Dies wurde mit der Schaffung der Stabsstelle erreicht, damit bleibt das vier-Augen-Prinzip gewahrt.

Wir haben mit Susanne Rihm, die die neue Stabsstelle Bauherreneigenschaft des Kanzlers leitet, und mit Fabian Pfeifer, dem Leiter der Abteilung Bau- und Flächenmanagement zu der die neue Fachabteilung Bauherreneigenschaft gehört, gesprochen.

 
 

Welches sind die wichtigsten Vorteile, wenn die Bauherreneigenschaft bei der Universität liegt?

Fabian Pfeifer: Rückfragen sind viel einfacher, wir können besser auf die Bedürfnisse der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer eingehen, weil wir nah dran sind. Dies ermöglicht es uns, das optimal passende Raumprogramm zu erarbeiten und umzusetzen. Je mehr Stellen zwischengeschaltet sind, desto länger dauern die einzelnen Schritte, vor allem in der Vorbereitung. Im Prinzip kann man bis zum ersten Spatenstich sehr viel Zeit einsparen, wenn nicht sogar Jahre gewinnen.

Susanne Rihm: Auch die Qualitäten der Prozessschritte und Kosten können besser abgeschätzt werden, wenn die Bauherreneigenschaft bei der Universität liegt.

Was ändert sich an den Abläufen? Welche Aufgaben übernehmen Ihre Abteilungen?

Fabian Pfeifer: Die Fachabteilung Bauherreneigenschaft übernimmt die Aufgabe der Projektleitung. Diese lag vorher beim UBA. Wir stehen im engen Austausch mit dem Nutzer IntCDC, mit Planern und mit der neuen Stabsstelle. Diese fungiert als Betriebsleitung, das heißt, sie prüft alle Teilschritte und übernimmt die Finanzplanung. Der Unileitung kommt die „Rolle des Finanzministeriums“ zu.

Susanne Rihm: Wir sind das 3. und 4. Auge zum D6. Wir prüfen die Kosten und ob alle erforderlichen Schritte der verschiedenen Phasen erledigt wurden. Darüber hinaus beauftragen wir die Planer und kümmern uns um die Bauvergabe, das heißt wir schreiben aus, im Prinzip ähnlich wie die Zentrale Beschaffung. Auch die Erstellung von Wirtschaftlichkeitsprognosen gehört zu unseren Aufgaben. Wir stehen im engen Austausch mit Herrn Gerken und beraten ihn. In Abstimmung mit dem D6 geben wir der Unileitung strukturelle und wirtschaftliche Empfehlungen, zum Beispiel zur Machbarkeitsstudie.

Kurz gesagt, die Stabsstelle ist dafür da, dass alles läuft und auch die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen, hier bilden wir eine Schnittstelle zu D5 Finanzen. Als Bauherrin hat die Universität nun die Verantwortung über die Gelder. Deshalb müssen wir genau hinschauen. Bei allen Entscheidungen der Unileitung hinsichtlich des Bauvorhabens muss an die finanziellen Konsequenzen gedacht werden.

Wie ist der aktuelle Stand des Bauvorhabens LCRL?

Susanne Rihm: Die Machbarkeitsstudie ist verifiziert. Wichtige Rahmenbedingungen wie Standort, Umfang und Kosten sind festgelegt und von der Unileitung unterschrieben. Als Standort ist ein Areal auf dem nördlichen Campus in der Nähe der ARENA2036 vorgesehen.

Fabian Pfeifer: Bis ca. 2023 ist der Baubeginn des LCRL geplant, die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich 2024/25. Jetzt werden die Planungen beauftragt. IntCDC wird im Laufe der nächsten Monate Produktionsprozesse testen und in den Bau eines Pavillons am Vaihinger Campus einfließen lassen, der als Mockup für das Forschungsgebäude dienen soll.

Was ist das Besondere an diesem Bauvorhaben?

Fabian Pfeifer: IntCDC baut das Gebäude zum großen Teil selbst. Es wird computerbasiert entworfen, auch die Bauteile werden vom Computer gefertigt und aufgebaut. Das Gebäude entsteht also nicht nach Stand der Technik, sondern greift weiter voraus, neue Forschungsergebnisse sollen umgesetzt werden.

Susanne Rihm: Forschung und Planung laufen parallel, damit ist das LCRL ein sehr ambitioniertes Vorhaben.

Stabsstelle Bauherreneigenschaft und Project Management Office 
Leiterin der Stabsstelle ist die Architektin Susanne Rihm. Darüber hinaus gehören die beiden Architekten Tamara Gramatte und Lachezar Hristov zum Team. 

Fachabteilung Bauherreneigenschaft
Leiterin ist die Architektin Evelyn Moosmann, die für das neue Gebäude Projektleiterin ist und die Bauherrenvertretung übernimmt. Ihre Stellvertreterin ist Hristina Dakov, sie übernimmt innerhalb der Abteilung die Rolle der Projektverantwortlichen. Fabian Pfeifer ist Leiter der Abteilung Bau- und Flächenmanagement, zu der die Fachabteilung gehört.

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