Im Modul „Bautechnische Grundlagen“ der Fakultät für Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart erhalten die Studierenden am Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen in den ersten beiden Studiensemestern eine Einführung in die Welt der Baukonstruktion. Hierfür wurden bereits im Wintersemester 33 Hochschulgebäude in der Stadt Stuttgart aus den vergangenen 150 Jahren Bau- und Kulturgeschichte analysiert und im Rahmen von Drei-Tafel-Projektionen und Modellstudien dokumentiert. Das Begreifen der Konstruktionen wird durch das Einfühlen in den bauzeitlichen Kulturraum unter Aspekten der Politik, Wirtschaft und Kunst erworben. Neben dieser Analyse kleiden sich die Studierenden bei der Vorstellung ihrer Arbeit in die Mode der jeweiligen Erstellungszeit des gewählten Gebäudes und erfahren so niederschwellig – auch sinnlich und körpernah – die jeweilige gesellschaftskulturelle Einbettung des jeweils detailliert untersuchten Gebäudes.
Durch die Auseinandersetzung mit Baugeschichte, Stadt und Umwelt lässt sich für die Studierenden eine erste Erkenntnis ableiten: Um den Klimawandel zu verlangsamen müssen wir unsere Bautätigkeit zwingend umstellen. Holzkonstruktionen bieten die Chance, eine ökologische und soziale Zeitenwende zu gestalten - wenn das Bauen mit Holz auch als Methode dient, eine Architektursprache zu entwickeln, welche das Bauen als Ausdruck des Sozialen begreift. Unter Beachtung lokaler Ressourcen und Wertschöpfungsketten muss das Bauen das werden, was die Moderne einst versprach: Es muss ein »echtes Lebensmittel« sein, welches dazu dient unsere Welt ins Gleichgewicht zu bringen - Bauen, Klima und Soziales sind nicht zu trennen.
Seit 2022 entwickelt der Lehrstuhl im Rahmen dieser Lehrveranstaltung mit durchschnittlich 160 Studierenden im 2. Studiensemester Sonderkonstruktionen in Holz-Leichtbauweise. Die Besonderheit stellt in diesem Kontext die Transferleistung von der Planungstheorie in die angewandte Praxis dar: Am Ende des Semesters fertigen die Studierenden die von Ihnen entworfenen Projekte im Maßstab 1:1 aus einfachen Holzleisten. Durch die Summierung der studentischen Arbeiten entstehen filigrane Tragstrukturen, welche durch die Aufreihung unterschiedlicher Projektansätze eine Gesamtstruktur ergeben, geprägt durch Diversität in Gestalt und Konstruktion.
Neben einem Gewächshaus und einem Festival-Pavillon konnte auf diese Weise auch ein Begegnungsort für Kunst- und Kultur in Stuttgart-Vaihingen realisiert werden. (siehe Referenzen in der Anlage). Auch im Sommer 2025 realisierte der Lehrstuhl die Fortführung bzw. Weiterentwicklung des erfolgreichen Formats eines „Selbstbauprojektes im Kontext von minimiertem Ressourceneinsatz“ im 2. Semester des Bachelorstudiengangs.
Der Fokus wird in diesem Jahr auf den Campus der Universität selbst gelegt, um Initiative für die Neuentstehung urbaner Interaktionsflächen zwischen Lehranstalt und Stadtraum zu ergreifen. Die „Stuttgarter Kronen“ bilden ein Testfeld, um Initiative für die Neuentstehung urbaner Interaktionsflächen zwischen Lehranstalt und Stadtraum zu ergreifen. Die temporäre Bespielung eines gedachten „neuen Entrées“ - am Übergangsraum zwischen Innenstadt und Stadtgarten - ermöglicht es, diese wertvolle (und bisher als PKW-Parkplatz genutzte) Fläche erstmals dem Campus bzw. der Studierendenschaft als öffentlichen Gemeinschaftsraum zu übertragen.
Das anschließende Sommer-Festival erforscht, wie die Universität durch die Aneignung derartiger Flächen wieder stärker spür- und sichtbar in die umgebende städtische (Kultur-) Landschaft eingebunden werden kann. Die Kooperation mit dem studentisch organisierten Verein „Café Faust“ erschafft hier über den Sommer hinweg ein Ort der Geselligkeit unter freiem Himmel. Durch die Belebung mit Kulturveranstaltungen unterschiedlicher Couleur richtet sich die neue Aktionsfläche an Studierende, Dozierende und die Öffentlichkeit gleichermaßen. Das Projekt versteht sich als Symbiose einer forschenden Lehre, erlebbar gestalteter Baupraxis und kultiviertem sowie kollaborativ programmiertem Gemeinschaftsort, welcher angewandte Wissenschaft öffentlich nutzbar macht. Die Keplerstraße als „Hauptanschrift“ der Universität erhält somit erstmalig die Chance zu einem studentischen Ort mit Magnetwirkung zu werden: aus einer als Straßen- und Parkraum geprägten Fläche inmitten der Universitätsbauten entsteht eine neue vernetzende Mitte mit Aufenthaltsqualität und Lebensfreude!