Prof. Martina Baum, Direktorin des Städtebau-Instituts an der Fakultät, resümiert, dass die Stuttgarter Innenstadt trotz überdurchschnittlicher Umsatzkennzahlen hinsichtlich der Verweilqualität im innerdeutschen Städtevergleich schlechter aufgestellt ist. Sie argumentiert, dass eine Ausrichtung auf Handel und Gastronomie den komplexen Bedürfnissen urbaner Gesellschaften nicht mehr gerecht wird. Stattdessen plädiert sie für eine funktionale Diversifizierung der Innenstadt durch die Integration konsumfreier, öffentlich zugänglicher Räume – etwa Bildungs- und Kultureinrichtungen – als Orte des Wissensaustauschs und gesellschaftlicher Teilhabe.
Als einen der Hauptgründe sieht Prof. Baum die zunehmende Eigentümerschaft internationaler Investmentfonds an innerstädtischen Immobilien, die aufgrund mangelnder steuerlicher Abschreibungsmöglichkeiten bei Leerstand weder Anreize noch Bereitschaft zur gemeinwohlorientierten Nutzung zeigen. Dieses Phänomen birgt das Risiko einer sich selbstverstärkenden Abwärtsspirale – wie bereits am Beispiel Pforzheim illustriert. Als Gegenmaßnahme empfiehlt sie gezielte kommunalpolitische Impulse sowie eine strategische Einbindung privater Akteure zur Revitalisierung des urbanen Gefüges.