Hydroskin fürs Bürgerhaus

22. Juli 2026

Die aus textilen Schichten bestehende Hydroskin von Christina Eisenbarth im Einsatz

Das Bürgerhaus Hausen in Obertshausen wurde 1961 erbaut und leidet heute unter seiner dunklen Klinker-Westwand, die sich in der Nachmittagssonne auf bis zu 70 Grad aufheizen kann und diese Hitze auch nachts an die Umgebung abgibt.
Die Architekturprofessorin Christina Eisenbarth hat dagegen im Rahmen ihrer Promotion an der Universität Stuttgart ein System namens „Hydroskin“ entwickelt. Dabei handelt es sich um eine meist dreischichtige, weniger als fünf Zentimeter dicke Textil- und Membranhülle, die in einem Aluminiumrahmen gespannt und vor der Hauswand befestigt wird. Diese „Haut“ wird mit Wasser – idealerweise gesammeltem Regenwasser – besprüht, das anschließend verdunstet und der Fassade dabei Wärme entzieht, ähnlich wie ein feuchter Wadenwickel bei Fieber dem Körper Wärme entzieht. Die Membran lässt Regenwasser durch, hält aber Schmutz und Insekten ab, und das aufgefangene Wasser kann im Gebäude weiterverwendet werden, etwa für Toilettenspülung, Waschmaschine oder Pflanzenbewässerung, wodurch die Kanalisation entlastet wird.

Der entscheidende Vorteil gegenüber klassischen Klimaanlagen besteht darin, dass diese zwar Innenräume kühlen, dabei aber mehr Wärme nach außen abgeben als sie den Räumen entziehen, was das Stadtklima zusätzlich aufheizt. Hydroskin setzt stattdessen von außen an und kühlt die Gebäudehülle sowie das umgebende Mikroklima, wovon die Innenräume in der Folge ebenfalls profitieren. Laut Eisenbarth lässt sich ein solches System an nahezu jedem Gebäude anbringen, egal ob Neubau oder Bestand, und kann optisch individuell gestaltet werden, etwa in verschiedenen Farben, Formen oder Mustern. Auch bei der Herstellung denkt sie an Nachhaltigkeit, denn die Hülle könnte aus recyceltem Material wie PET-Flaschen oder Textilabfällen gefertigt werden.

Für ihre Entwicklung wurde Christina Eisenbarth 2025 mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet, der mit 25.000 Euro dotiert ist. 

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