Ein Selbstbauprojekt von 217 Studierenden
Im Modul „Bautechnische Grundlagen“ der Fakultät 1 für Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart erhalten die Studierenden am Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen in den ersten beiden Studiensemestern eine Einführung in die Welt der Baukonstruktion. Den Auftakt bildet die Erforschung von 150 Jahren Stuttgarter Konstruktionsgeschichte, anhand derer die Studierenden die „Materie der Stadt“ und die in ihr gebundene Graue Energie untersuchen. Materie und Konstruktion der Stadt Stuttgart werden dabei als Kulturform verstanden. Die Studierenden zeichnen Dreitafelprojektionen der untersuchten Gebäude, bauen Modelle und erstellen Musikclips, die sie – kostümiert als bauzeitliche Akteurinnen und Akteure – in den Kontext der jeweiligen Gebäude stellen. Für einen Moment treten sie selbst in den historischen Kulturraum der Gebäude ein und erfahren dabei niederschwellig, sinnlich und körpernah die gesellschaftspolitische Dimension unserer gebauten Umwelt. Mit Beginn des zweiten Studiensemesters erhält jede und jeder Studierende eine Säge und ein einzelnes Brett, um daraus verschnittfrei einen Hocker zu bauen. Die Verfügbarkeit des Materials wird dabei zur treibenden Kraft des Entwurfs. Im Anschluss wird das „Holzrepertoire“ um eine weitere Lattendimension erweitert. Auf der Grundlage von zwei vorgegebenen Holzquerschnitten entwerfen die Studierenden Halbrahmen, die sich zu einem Hain aus Dreigelenkrahmen fügen lassen.
Die Haine für das StadtPalais – Museum für Stuttgart stellen aneignungsoffene Räume dar und bieten über die Sommermonate hinweg Raum für unterschiedliche Veranstaltungen. Die Varianz der vorgefertigten und vor Ort gefügten Halbrahmen zeigt, wie eine elementierte Bauweise in Vielfalt gelingen kann. Die Konstruktionen werden saisonal errichtet und können in unterschiedlichen Konfigurationen sowie verschiedenen Dimensionen aufgebaut werden.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz eine ökologische und soziale Zeitenwende gestalten lässt. Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen wird hier als Methode verstanden. Die Studierenden entwickeln eine Architektursprache, die das Bauen als Ausdruck des Sozialen begreift.
So kann Bauen zu dem werden, was die Moderne einst versprach: ein „echtes Lebensmittel“, das dazu dient, unsere Welt ins Gleichgewicht zu bringen. Bauen, Klima und Soziales sind dabei untrennbar verbunden.
Die Saison ist eröffnet, die hölzernen Haine am StadtPalais-Museum für Stuttgart bieten Raum für den zwingend notwendigen Diskurs.
Gefördert wurde das Projekt durch den Ideenwettbewerb „Glow up our Campus!“ als Kooperation zwischen dem StadtPalais, dem Institut für Baukonstruktion und dem Rektorat der Universität Stuttgart.